RAUMfürMUSIK - Kakadu
Ein Nachmittag im Saarbrücker September 2010, die gutmütige Spätsommersonne findet in sämtliche Innen- und Hinterhöfe der Mainzer Straße, und ihre Wärme kitzelt in mir, der ich neu in dieser Stadt bin, eine unbefangene Neugier hervor.

Ein Schild am Tor des Hauses Nr. 52, welches auf einen "Raum für Musik" hinweist, animiert mich, diesem Reiz nachzugeben…
Wenige Nachmittage später finde ich mich bei Dorothée Dunsbach auf einem Klavierhocker an einem ihrer beiden Flügel wieder und genieße meine erste Stunde des Klavierunterrichts bei ihr- eines Unterrichts, der sich, wie ich bald feststelle, so auffallend anders gestaltet als meine bisherigen. Weil es bei ihr nie irgendwie geht, sondern im Ergebnis immer nur so, wie es eigentlich sein muss, weil sie gezielt an den individuellen Strukturen innerhalb ganzheitlicher Lernprozesse arbeitet, weil sie nach einem künstlerischen Verständnis agiert, das über die Genregrenzen hinausweist, weil sie offensichtlich Freude beim Unterrichten hat. Vorwiegend kommen Kinder hierher, auch sehr kleine. Aber auch Jugendliche, erwachsene Anfänger und Studenten, die sich auf die Hochschul- Eignungsprüfung vorbereiten, finden ihren Weg zum RAUMfürMUSIK.
Die Bezeichnung des Raumes lässt berechtigterweise aber auf mehr als einzig Klavierunterricht schließen. Das einstige "ARTconTAKT- Klavierstudio" funktioniert, wie ich bald erfahre, nach der Devise, ein Domizil für den Entstehungs- und Entwicklungsprozess von Musik bieten zu wollen. Das bedeutet zum Beispiel die Eröffnung von Übungs- und Probemöglichkeiten für Musiker: da wäre der Herr aus Hamburg auf Geschäftsreise, der sich ein paar Tage lang abends im RAUMfürMUSIK seinen im Kofferraum mitgeführten Congas widmet, oder die koreanische Cellistin, die sich auf den Tschaikowsky- Wettbewerb in Moskau vorbereitet, da wären auch einige Gesichter der jüngsten Generation der Saarbrücker Jazz- Szene oder der Student aus der Nachbarschaft, der hier regelmäßig Schlagzeug spielt. Der Standard- Preis pro Stunde Raumnutzung inklusive Flügel ist 10 €. Aber es geht auch manchmal günstiger. Aus eigener Erfahrung weiß ich um Dorothée Dunsbachs weit reichendes Verständnis für Unterstützungsbedarf bei begrenztem Budget.
Ein "Raum für musikalische Begegnung" soll hier, - vor kommerziellem Interesse- zur Verfügung stehen, ein Ort, wo sich Musiker und andere Künstler treffen und kennen lernen können, - eine Werkstatt zum Experimentieren und Sich- Ausprobieren.
Darüber hinaus tritt der RAUMfürMUSIK auch mit Konzerten in Erscheinung: Seien es "Krassport", ein Trio des zeitgenössischen Jazz, das kürzlich hier sein neues Album "UnderstandART" vorgestellt hat, sei es der italienische Starpianist Gianluca Luisi, für dessen Konzert im Januar sich beträchtlich mehr Besucher angemeldet hatten, als der Raum fassen konnte, oder der saarländische Pianist Marlo Thinnes und der Autor Jörg W. Gronius, die zusammen ein furioses Programm, genannt SAUS & BRAUS, zum Liszt- Jahr dargeboten haben.
Zwei Konzertreihen bieten ein facettenreiches Programm: Bei KulKul (Kultur und Kulinarik) werden nach etwa einer Stunde Musik und/ oder Lesung anschließend delikate, handgemachten Tapas, Cava und Wein aus dem in der Nachbarschaft ansässigen Casa Mada serviert. KLAVIERzimmer ist eine Reihe, die dazu einlädt, das gesamte Panorama kreativer Spielfreude am Flügel, oder, wie hier auch an zwei Flügeln, zu erleben.
Für 2011 sind bisher in der KLAVIERzimmer- Reihe noch ein Konzert des Christian Pabst- Trios und ein Auftritt der Gruppe KALIMA geplant, in der KulKul- Reihe werden Bachs Goldbergvariationen, gespielt von dem Pianisten Thomas Betz, zu hören sein.
Die Nähe zu manchen dieser Musiker hat Dorothée Dunsbach über Jahre hinweg mittels ihrer Künstleragentur ARTconTAKT geschaffen. Dass da auch Freundschaften entstanden sind, konnte man bei den Konzerten spüren. Da war viel Herzlichkeit und Wärme, die sich auch in der ansprechenden Atmosphäre des Raumes widergespiegelt hat.
Man muss aber kein Musiker sein, um diesen schönen Ort am Ende des Innenhofes der Mainzer Straße 52 nutzen zu können. Auch zum Feiern eignet er sich. Der 80 qm große Raum ist mit einer kleinen Bar ausgestattet, mit Kühlschrank und Spüle. Gläser und Geschirr sind ebenfalls vorhanden. Und auch der Innenhof kann mit einbezogen werden.
Dorothée Dunsbach beteiligt sich mit dem RAUMfürMUSIK alljährlich an den Hoffesten der Mainzer Straße. Auch am diesem 1. Mai zeigte sich der Hof 52 wieder einmal kulturell vielseitig bevölkert: Verschiedenste Stilistiken des Tanzes wurden dem Publikum in der "Plattform3", dem Tanzstudio gegenüber, dargeboten, in der Halle des Möbellagers Kreutzer wurde gejazzt und sich ausgetauscht, die Band Joel Becks spielte im Hof vor begeistertem und großem Publikum….
Die Hoffeste sind eine gute Gelegenheit, sich einen aktuellen Überblick über die sonst wenig beachteten Innenhöfe und deren kulturelles Leben zu verschaffen.
Im RAUMfürMUSIK ist an diesem Tag immer Gelegenheit, einfach hinein zu gehen und Musik zu machen oder Anderen zuzuhören. Aber nicht nur an diesem Tag wird man hier freundlich empfangen, wie ich selber erfahren habe…
Felix Kohns, KAKADU Saarbrücken, Juni 2011